„Wenn ihr mich von ganzen Herzen suchen werdet, so will ich mich finden lassen.“ Jeremia 29,13-14

Liebe Leserinnen und Leser!

Scotland Yard - so heißt ein spannendes Detektivspiel. Das Spielfeld ist der Stadtplan von London, ein verwirrendes Straßennetz, in das sämtliche U-Bahn- und Buslinien eingezeichnet sind. Einer der Spieler ist der geheimnisvolle Mr. X, alle übrigen Mitspieler sind Detektive und versuchen, ihn in der Stadt aufzuspüren. Die Spielzüge von Mr. X kennt keiner der Mitspieler, sie wissen nur, welches Verkehrsmittel er gerade auf seinem Weg durch London benutzt. In bestimmten Abständen allerdings muss er auftauchen und sich zeigen. Die Detektive können anhand dieser Orientierungspunkte seinen bisherigen Weg rekonstruieren und sich eine Taktik ausdenken, um ihm auf der Spur zu bleiben.

Detektiv- oder Versteckspiele sind beliebt. Schon ganz kleine Kinder genießen es, sich in einem Raum hinter einem Vorhang zu verstecken, um sich finden zu lassen. Selbst bei Jugendlichen und Erwachsenen erfreuen sich Spiele großer Beliebtheit, bei denen man sich gegenseitig sucht. Da sitzen zum Beispiel drei Kandidatinnen in einem Fernsehstudio hinter einer weißen Schiebewand. Ein Mann versucht mit drei gezielten Fragen unter den Frauen, die sich hinter dieser Abtrennung verbergen, sein „Herzblatt“ zu finden. Mittlerweile gibt es auch eine ganz neue Variante des Detektiv- oder Versteckspiels über GPS - Tracking mit dem Handy.

All diesen Versteckspielen ist gemeinsam: Es fordert uns heraus. Manche haben geniale Verstecke, in denen der Suchende sie nicht findet. Da ist dann oft die Geduld  nicht groß. Es wird langweilig. Man wird lustlos. Und es dauert nicht lange, dann wird das Spiel beendet.

Manche Menschen haben den Eindruck, dass Gott so jemand ist, der ein geniales Versteck gefunden hat. Sie haben versucht, Gott zu suchen und haben ihn nicht gefunden. Ist es euch auch schon mal so ergangen? Kennt ihr Menschen, die das erlebt haben und nun sagen: Mit Gott, das ist doch alles kalter Kaffee! Entweder gibt es ihn gar nicht oder er spielt mit uns Versteck. Ist da was dran?

Unsere menschlichen Erfahrungen sind diesbezüglich sicherlich sehr unterschiedlich. In der Bibel wird uns gezeigt, dass Gott seit Anbeginn der Schöpfung den Menschen ganz nahe sein will in seinem Wort und in seinen Taten.

Gott selbst schiebt ja durch sein Wort die Wand zur Seite, die uns von ihm trennt, damit wir etwas über ihn und sein Wesen erfahren. Und in seinem Wort erfahren wir, was nach menschlicher Vorstellungskraft unfassbar erscheint: Gott selbst wird Mensch, in seinem Sohn Jesus Christus. Unser „Herzblatt“ - ja das Herzblatt der ganzen Christenheit - liegt als ein kleines, hilfloses Kind in der Krippe - hängt sein Leben für uns hingebend am Kreuz.

Menschen machen sich auf den Weg und sie finden, was sie suchen - anders vielleicht als sie es sich vergestellt haben. Bei manchen verläuft das Leben auf geraden Strecken, andere führt es auf raue, steinige Wege, deren Sinn man nur schwer zu erkennen vermag. Und bei beiden steht am Ende das Finden. Jesus Christus lässt sich finden. Es gilt, eine große Entdeckung zu machen.

Ihn suchen, wenn es uns gut geht, um ihn zu danken. Ihn suchen, wenn unser Herz voller Sorge ist, um ihm die Sorgen zu bringen und sie bei ihm loszulassen. Ihn suchen, wenn Krankheit und Leid in unser Leben hineingekommen ist, um bei Ihm Trost, Kraft und Geduld zu finden und nicht daran zu verzweifeln.

Ihn suchen, wenn der Alltag mit seinem Druck und Forderungen uns erdrücken will, um bei ihm auszuruhen und aufzuatmen, so dass unser Blick für das Wesentliche wieder frei wird. Ihn suchen, wenn Schuld und Versagen unsere Beziehung zu Gott, zum Ehepartner, zur Freundin oder Freund, zu einem Arbeitskollegen belastet. Bei Christus ist Vergebung und Neuanfang möglich.

Egal in welcher Lebenssituation wir uns befinden Gott lädt uns ein, ihn zu suchen. Er wird sich von uns finden lassen.

Mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen,
Michael Hüstebeck, Pfarrer

Hüstebeck