Dennoch bleibe ich stets an dir, denn du hältst mich bei meiner rechten Hand. Du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

Psalm 73, 23


 Liebe Leserinnen und Leser!

„La Cathedrale“ - so lautet der Titel einer Skulptur des Künstlers August Rodin (Musée Rodin, Paris). Gemeinsam erschaffen die Hände ein Kunstwerk und bilden eine Kathedrale.

Hände von zwei verschiedenen Menschen bilden die Skulptur des Künstlers August Rodin.

Ganz zart wirken die Hände und die Berührung. Da hält eine Hand die andere, nicht krampfhaft, nicht fesselnd. Eher sieht es so aus, dass die eine birgt und die andere stützt.

Ja, zusammen mit einer anderen Hand, mit einer anderen Kraft, kann ich vieles bewirken, was mir allein versagt ist. Ich brauche nur den Mut, dem anderen die Hand zu reichen oder mich an der Hand nehmen zu lassen. Das ist nicht selbstverständlich. Wir sind eher gewohnt, alles aus eigener Kraft heraus zu schaffen und sind es auch nicht unbedingt gewohnt, uns zart berühren zu lassen.

„Noch letzte Woche saß ich an seinem Bett und hielt zwei Stunden lang seine Hand. Zum ersten Mal in unserem langen Zusammensein, über 40 waren es, hielt ich seine Hand. Man tut sonst ja so was nicht.“, berichtet ein Mann vom Tod seines Freundes.

Hände berühren kann in manchen Situationen mehr aussagen als viele Worte. Nur manchmal merkt man das erst sehr spät. Die Sprache der Hände kann sehr gut tun.  Ich denke an Verliebte, die Hand in Hand dahin schlendern. Ein Zeichen ihrer unbeschwerten Zusammengehörigkeit.

Für mich ist das ein Bild, wie mir Gott seine Hand darreicht und damit ermutigt: „Komm! Zusammen bauen wir Kunstwerke der Liebe, bauen wir Kathedralen der Hoffnung, zusammen genießen wir das Leben wie ein Liebespaar Hand in Hand. An meiner Hand wirst du dein Leben vollenden, trotz allem.“ Du hältst mich an meiner rechten Hand.

Die rechte Hand, das ist doch die Hand meiner Tatkraft, damit packe ich alles an, da sitzt meine Geschicklichkeit. Damit ist sie ein Bild für meine Lebensstärke. Aber, wenn die gehalten wird, kann ich dann überhaupt noch richtig zupacken?

Dieser Psalmvers verkündet mir, wie Gott sich gerade in meine Stärke einmischen und sich mit mir verbünden will. Wie er gerade nicht ein Anhängsel sein möchte, das ich an der linken Hand auch noch irgendwie mitschleppe in meinem Leben, so dass die Rechte frei bleibt für mein vermeintlich „Wesentliches“.

Wenn ich aber keine Lebensführung spüre, wenn ich meine, Gott hat meine rechte Hand verlassen und es entgleitet so viel meinen Händen? Dann lädt der Psalmvers ein, trotzig zu sein und das „Dennoch“ zu sprechen. Für mich sind die Lebensgeschichten gerade dieser Menschen, die ein Dennoch setzen, ein Vorbild. Menschen, die dran bleiben an Gott, trotz allem.

Mit den Wünschen für eine gesegnete Begleitung Gottes durch die Ferien– und Urlaubszeit grüßt ganz herzlich

Michael Hüstebeck, Pfarrer