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Liebe Leserinnen und Leser!

Gott will Neues schaffen. Oft jedoch passiert es, dass wir so sehr mit dem Alten beschäftigt sind, dass wir dieses Neue gar nicht zu sehen vermögen. So wie die Frauen, die am Ostermorgen unterwegs zum Grab Jesu sind. Sie sind ganz beschäftigt mit der Frage: Wer wird den Stein vor dem Grab Jesu wegwälzen?

Auch in unserem Leben wird als Letztes ein Stein stehen, ein Grabstein, wie ihn unser Bild zeigt. Ein Stein, der uns den Weg zu unserer Auferstehung blockiert. Wie sollen wir diesen Stein überwinden, wer wird ihn uns aus dem Weg räumen? Der Grabstein auf unserem Bild ist vor fast einhundert Jahren aufgestellt worden. Unter dem Namen des Verstorbenen steht in großer Schrift: „Ruhe sanft!“ Ist das unsere Hoffnung oder die Hoffnung des Verstorbenen: In aller Ewigkeit sanft zu ruhen? Mir ist das zu wenig und wohl auch dem Begrabenen.

Denn am Ende des Grabsteins lese ich: „Gott ist die Liebe usw.“

Beim ersten Lesen musste ich schmunzeln: „Gott ist die Liebe usw.“ – doch dieses „Und so weiter“, das macht mir Hoffnung: Gott ist das Leben, er hat den Tod überwunden, er ist die Auferstehung, die Erlösung – und: er wird den Stein von unserem Grab wälzen, damit auch wir auferstehen und leben. Ein schwieriger Glaube.

Lernen wir von den Frauen auf dem Weg zum Grab: Sie machen sich auf den Weg, um den Leichnam einzubalsamieren. Dass sie sich auf dem Weg zur Auferstehung befinden, wäre ihnen wahrscheinlich nicht einmal im Traum eingefallen – so weit reichte die Hoffnung nicht. Ihre Gedanken kreisen um eine ganz praktische Frage: Wer wird uns den Stein vor dem Grab wegwälzen, damit wir Zugang zum Leichnam Jesu haben?

Eine Frage, auf welche die drei Frauen sicherlich keine Antwort wussten, denn dass die römischen Soldaten dazu bereit wären, war nicht zu erwarten. Und obwohl die drei Frauen von ihrem Gang zum Grab nichts anderes zu erwarten hatten, als unverrichteter Dinge wieder umzukehren, gehen sie diesen Weg. Warum? Weil sie mit Jesus nicht einfach abschließen konnten, weil sie die unbewusste Hoffnung hatten, dass Tod und Grab nicht das letzte Wort haben: Da muss noch etwas geschehen.

Die Frauen haben wahrlich Durchhaltevermögen, sie lassen sich nicht klein kriegen. Sie halten an ihrer Hoffnung fest und können von Jesus nicht lassen. Und das empfiehlt uns auch der Verstorbene.

Auf dem Kreuz rechts ist eine Bibelstelle eingemeißelt: Römer 12,12. Da lohnt es sich nachzulesen: „Seid fröhlich in der Hoffnung, geduldig in der Bedrängnis, beharrlich im Gebet.“

Mehr braucht es nicht: Hoffnung und Geduld, um diese Spannung in der wir stehen auszuhalten.

Denn in dieser Spannung bleiben wir ja solange wir leben, zwischen dem Alten und dem Neuen, zwischen dem Leiden und der Auferstehung. Das ist genauso wie mitten in der Passionszeit schon einen Blick auf das Osterfest hinüberzuwerfen.

Denn, wenn Friedhofsgärtner irgendwann einmal dein und mein Grab geschaufelt haben werden, 1,70 Meter tief –  dann ist da auch einer, der den Stein von deinem Grab wegrollen und dich herausholen wird aus dem Tod, der dich neu schaffen wird, der dich zum ewigen Leben in die Auferstehung führen wird: Jesus Christus, der auferstanden ist von den Toten.

Mit den Wünschen für eine gesegnete Osterzeit grüßt Sie/Euch herzlich,

Michael Hüstebeck, Pfarrer