Liebe Leserinnen und Leser!

Der Zeigersattel am Nebelhorn in den Allgäuer Alpen bietet einen malerischen Ausblick auf den darunter gelegenen Seealpsee. Inmitten der saftig grünen Bergwiesen traf man noch vor einigen Jahren beim Wandern plötzlich auf einen Türrahmen. Eine geöffnete Tür in 1920 m Höhe. Sie war Teil einer Kunstinstallation. Inzwischen ist sie leider abgebaut. Ihr Titel lud ein: „Öffne die Tür in eine andere Welt.“ Eine offene Tür – ist ermutigend, einladend, hoffnungsvoll. Sie ermöglicht Begegnung und Zugang.

Das ist gar nicht so selbstverständlich, denn immer wieder stößt man auf geschlossene Türen. Da will der rechte Schlüssel einfach nicht in die Hand fallen, um ein Problem zu lösen. Da fehlt die Zeit, Freundschaften zu pflegen. Da hat man manchmal das Gefühl, aus seiner eigenen Haut nicht raus zu kommen. Voller Scham entdeckt man, jemand ist enttäuscht worden und erlaubt aus diesem Grund keinen Zugang mehr. Türen bleiben manchmal verschlossen.

Ich spüre: Ich kann die Tür in eine andere Welt nicht einfach so von alleine öffnen. Auch wenn ich den sehnlichen Wunsch verspüre, dass sich manche Türen öffnen mögen und Beziehungen heil werden.

Das Durchschreiten der Tür am Zeigersattel ist wie das Eintreten in einen Paradiesgarten. Wir betreten eine gute Stube. Man bekommt das Gefühl, es könnte notwendig sein, vorher die Schuhe zu säubern, oder störendes abzulegen.

In der Offenbarung 3,9 heißt es: „Ich habe vor dir eine Türe aufgetan und niemand kann sie zuschließen.“ Das bedeutet doch, bei Gott ist immer „Tag der offenen Tür.“ Er selbst schafft die Möglichkeit der direkten Beziehung. Jesus Christus ist die Tür! Und er hat nie Türen zugeschlagen. Im Gegenteil: Durch sein Wort und sein Handeln hat er immer neue Zugänge geschaffen. Welchen Raum betritt man durch diese Tür? Es ist der Raum, in dem Jesus Christus das entscheidende Wort spricht und alle anderen Worte unterliegen. Es ist der Raum des Lebens, des Vertrauens und der Annahme. Ein Raum in dem alle Scham und Schuld ein Ende hat. Ja, ein Raum für die Ewigkeit.

Je mehr wir bereit sind darin einzutreten und störendes an der Tür abzugeben, desto mehr mag es gelingen, auch für andere Türen aufzumachen – Türen der Einladung, der Versöhnung und der Hoffnung. Türen, an denen auch Menschen anderer Herkunft und Hautfarbe, Annahme, Aufnahme oder einfach offene Hände und Herzen finden.

Es tut also gut, sich in jeder Hinsicht die Augen öffnen zu lassen. Nicht nur für die Schönheit der Schöpfung Gottes, ob nun auf dem Zeigersattel oder anderswo.

 

Mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen,
Michael Hüstebeck, Pfarrer

Hüstebeck