Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Matthäus 11,27+28

 

Liebe Leserinnen und Leser!

Die Tragfähigkeit von Lasten ist in unserem Alltag immer eine Frage der Begrenzung. Gebäude, Brücken, Schiffe, Kräne und Fahrzeuge sind auf eine maximale Tragfähigkeit von Lasten ausgelegt.

Aber nicht nur bei diesen offensichtlichen Dingen bedarf es der Beachtung des Gewichts einer Last. Auch Straßen, Werkzeuge und Haushaltsgeräte bis hin zum eigenen Körper unterliegen immer der Frage nach der Belastbarkeit.

Selbst nicht offensichtlich messbare Gegenstände unseres Alltages unterliegen Belastungsgrenzen, angefangen bei der persönlichen emotionalen Belastbarkeit von Körper und Geist bis hin zu Beziehungen im privaten und beruflichen Umfeld.

Wenn wir dem Thema Last und Belastung nachspüren, merken wir, fast alles in unserem Leben scheint mit der Frage nach Last und Belastung verbunden zu sein.

Irgendwie ist in unserem Leben allem und jedem eine Grenze gesetzt, bis wohin etwas tragfähig ist und ab wann es zu brechen oder zerbrechen droht. Sogar das Leben selbst hat eine Belastungsgrenze, die wir durch eigene Kraft nicht überschreiten können.

Das Wort Jesu führt uns darüber hinaus. Er weiß um unsere Begrenzungen und Belastungen. Und er lädt alle diejenigen ein, die an ihrer Belastungsgrenze angekommen sind, ob nun physisch oder psychisch.

Mühselig und beladen nennt er sie.

Die Belastungen sind in unserem Leben ja äußert vielfältig: Krankheiten können das sein.  Aber auch Angst und Sorgen, Vorwürfe und Versagen belasten uns, Stress im Studium, auf der Arbeit, in der Schule, im Familienalltag.

All denen, die mit ihrer Last selbst nicht mehr zurecht kommen, gilt seine Zusage der Erquickung, der Entlastung, der Ruhepause zum Atemholen und der Stärkung.

Insofern könnte man den Satz: „Alles hat mir mein Vater übergeben.“ auch so verstehen: All eure Sorgen, all eure Ängste, all eure Fehler, all eure Schuld sollen euch nicht mehr erdrücken, sie sind euch abgenommen und liegen nun bei einem, der sie tragen will und tragen kann.

Erquickung bedeutet also dann auch, dass wir die Lasten nach der Rast nicht wieder mitnehmen müssen, und sie danach unser Leben erneut belasten. Sondern wir dürfen sie restlos abgeben.

Da, wo ich denke: „Mir reicht´s jetzt,“ oder „Ich kann nicht mehr!“, da sagt Jesus Christus mir zu: „Ich bin für dich da, Du bist nicht allein.“ Und weil er unsere Lasten mitträgt, sind wir auch frei, die Lasten anderer mit zu tragen.  

Es hilft mir im Alltag sehr, wenn ich mir sicher sein darf, dass es jemanden gibt, dem ich nichts mehr schuldig bin, der mir meine Irrtümer nicht vorrechnet, der mich nicht auf meine Makel festnagelt, sondern von dem ich weiß, dass er unverbrüchlich zu mir steht und mir den Rücken freihält.

Das ist eine große Entlastung. Das stärkt meine Zuversicht und meinen Lebensmut und verändert auch den Blick auf meine Mitmenschen, denen dieselbe Zusage gilt.

Erquickt werden, aufatmen und loslassen, quicklebendig sein in Jesu Nähe.

Wir brauchen solche Schutzorte, an denen wir Ruhe finden, wo wir Kraft tanken können, wo die Hoffnung neu wachsen kann, wo wir Nähe spüren, die neuen Mut schenkt, um weiterzugehen.

 

Mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen,
Michael Hüstebeck, Pfarrer