Wohlan, ihr stolzen Frauen, hört meine Stimme! Ihr Töchter, die ihr so sicher seid, nehmt zu Ohren meine Rede! Über Jahr und Tag, da werdet ihr Sicheren zittern; denn es wird keine Weinlese sein, auch keine Obsternte kommen. Erschreckt, ihr stolzen Frauen, zittert, ihr Sicheren! Zieht euch aus, entblößt euch und umgürtet eure Lenden! Jesaja 32,9-11

 

Liebe Leserinnen und Leser!

Wann wart Ihr das letzte Mal in einer Umkleidekabine? Sie ist kein Ort, um sich lange aufzuhalten. Meist beinhaltet sie einen Haken, einen Spiegel und einen Hocker, auf dem man seine Kleidung ablegen kann, um die neue vom Bügel zu nehmen und anzuprobieren.

Ein Blick in den Spiegel genügt, vielleicht auch ein zweiter, einmal herumdrehen, um zu sehen, ob alles passt, keine Falten wirft, gar die eine oder andere Stelle des Körpers unschön hervortritt. Vielleicht ein kurzes Erschrecken darüber, dass die bisherige Kleidergröße gar nicht mehr wirklich passt, Veränderungen vorzunehmen sind.

Die eigene Kleidung wieder angelegt, geht es zur Kasse oder zurück zum Kleiderständer.

Auch die Frauen Jerusalems sollen sich umkleiden. Nicht in das trendige Kleid der neuen Modesaison, sondern in Trauerkleider. Ein Aufruf Gottes zum Blick in den Spiegel lässt sie aufschrecken. Nicht wegen der plötzlich, quasi über Nacht veränderten Kleidergröße, sondern der völlig veränderten Lebenssituation verödeter Äcker, verlassener Häuser.

Dies ermöglicht Erkenntnis über das, was außer Kontrolle geraten ist, wo auf Kosten anderer und der Umwelt gelebt wurde, ohne an die Konsequenzen zu denken. Dies ist nun kein Selbstzweck, sondern dient dazu, Veränderungen hervorzubringen, damit die „Kleidung“ wieder passt.

Auch in unserem Leben ist manches aus dem Ruder gelaufen. Wir haben vergessen an die Konsequenzen unseres üppigen Lebens zu denken, unseren Schöpfungsauftrag „zu bebauen und bewahren“ aus dem Auge verloren.

Gott lädt ein zur Rückbesinnung und Umkehr. Und er verspricht neues Leben in seinem Geist. Eine Kleidung, die wir einst in unserer Taufe geschenkt bekamen und in die wir wieder hineinschlüpfen können, die uns Dank seiner Vergebung neu passt und keine Falten schlägt.

 

Mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen,
Michael Hüstebeck, Pfarrer