Liebe Leserinnen und Leser,

vHüstebeckor einiger Zeit las ich einen Bericht darüber, dass Tanzen wieder in ist. Damit das Tanzen nicht im Chaos endet oder einer dem anderen die Füße platt tritt, braucht es jemanden, der einem die richtigen Schritte beibringt, sonst macht es keine Freude.

Glauben hat eine Menge mit dem Tanzen gemeinsam. Vertrauen in Gott ist nicht immer leicht. Vielleicht liegt es daran, dass wir die richtigen Schritte nicht wissen und mehr dahinstolpern als uns trauen, uns zum Tanz auffordern zu lassen.

„Darf ich bitten?“ Blickkontakt suchend steht Jesus Christus da, mit einladender Geste die Hand reichend und den Worten: „Ich lebe und ihr sollt auch leben.“ Seine Aufforderung, Vertrauen zu fassen, sich in Schwung bringen, begeistern und zu neuen Schritten animieren zu lassen, sie gilt nicht nur seinen Jüngern damals, sondern auch uns, die wir in dieser Zeit von seinem Leiden und Sterben für uns, aber auch von seiner Auferstehung hören. Er möchte einladen, den Tanz des Lebens mit ihm aufzunehmen. Von seinen »Tanzstunden« - von den Zeiten, in denen ich seine Botschaft höre und mit anderen sein Mahl feiere - erhoffe ich mir Lebensfreude und Leichtigkeit, eine Spur von Charme und Eleganz für den manchmal so mühsamen und eintönigen Alltag, besonders aber auch Kraft und Zuversicht in Zeiten der Sorge und Angst.

Sich von Jesus die richtigen Schritte zeigen lassen: den mutigen Schritt nach vorn, wenn ich unsicher bin und zögere; den notwendigen Schritt zur Seite, wenn die Menschen neben mir meine Zuwendung und ein gutes Wort erwarten; den befreienden Schritt zurück, wenn man sich neu orientieren muss.

Sich in den Rhythmus einschwingen: in den Wechsel von Engagement und Ruhe, um entschieden und energisch zu handeln, wenn Einsatz gefordert ist — aber auch entspannen und in die Stille gehen, wenn man neue Kräfte sammeln muss; in die Balance von Gottes- und Nächstenliebe, sich in Gebet und Besinnung immer wieder bewusst zu machen, wem ich mein Leben verdanke — und dabei nie zu vergessen, dass Gott auch im bittenden und fragenden Mitmenschen begegnet.

Jesus, der Tanzlehrer — macht neugierig, mit welchen Bewegungen, Schritten und Rhythmen er das Leben bereichert, aber auch verändert. Tanzen lernen ist nicht unbedingt nur mit Leichtigkeit verbunden, sondern erfordert auch Übung, Konzentration und Blickkontakt. Manchmal macht man eher Rückschritte als dass man vorankommt. Auch der Glaube wird mit Mühen verbunden sein. Aber ich bin zuversichtlich, dass in seiner Schule uns Kraft auch in dieser sorgenvollen Zeit zuwächst.

Mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen,
Michael Hüstebeck, Pfarrer



Fürbittengebet für eine Zeit ohne Gottesdienste:

Herr Jesus Christus,
erstorben wie ein Korn in der Erde und verwandelt zu Frucht und Kraft,
wir hoffen auf dich, der du uns im Tod das Leben offenbarst.

Wir beten zu dir für alle,
die ihren Lebensmut verloren haben über Abschieden und Trennungen,
in Überforderung, in Einsamkeit, in Fragen nach Sinn, die ohne Antwort bleiben.

Wir beten zu dir für alle,
die nicht an dich glauben können, die suchen und nicht finden,
die sich selbst im Wege stehen, verschlossen für deine Gegenwart.
Wir beten für alle, die enttäuscht sind von Kirchen und Gemeinden, auch von uns.

Wir beten zu dir für alle,
die nicht wissen, was der nächste Tag bringen wird, die auf der Flucht sind,
denen Hunger oder Gewalt, den Blick verengt auf die eine Frage:
Wie kann ich überleben?

Wir beten für die Menschen in den Bürgerkriegsgebieten
in Syrien und anderen Orten dieser Erde,
für alle von Folter Traumatisierten,
für die, die zu Prostitution und Söldnerdienst
oder zu menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen gezwungen sind.

Wir beten zu dir alle,
die von der Corona-Epidemie betroffen sind, um Genesung der Erkrankten,
um Kraft und Zuversicht für die Helfer.
Wende gnädig schlimmeres Unheil ab, begrenze allen Schaden für Schulen,
Kultur, Wirtschaft und Politik.

Wir beten zu dir für alle,
die in den Krankenhäusern und Arztpraxen arbeiten, dass sie in ihrem Dienst
nicht müde werden und selbst bewahrt bleiben vor Ansteckung.
Für die medizinische Forschung, dass die Arbeit an einem Impfstoff gelingen möge.

Wir bitten dich für uns, die von Anfechtung bedroht sind,
dass wir trotz all dem Leid in der Welt nicht den Glauben verlieren
und uns an dein Wort halten können.

Christus, erstorben wie ein Korn in der Erde und verwandelt zu Frucht und Kraft,
erhöre uns, wenn wir in der Stille vor dich unsere persönlichen Bitten bringen …

Wir rufen: Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn. (EG 97, Refrain)

Wir schauen auf dich, Herr Jesus Christus, der du uns im Tod das Leben offenbarst.
Sei uns nah, was auch immer geschieht, du bist unsere Hoffnung.
Amen.