15.3.2015 - Laetare - Johannes 6,47-51 PDF  | Drucken |  E-Mail

Predigttext Laetare, 15.3.2015 Gö: Johannes 6,47-51:


47 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer glaubt, der hat das ewige Leben.
48 Ich bin das Brot des Lebens.
49 Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.
50 Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.
51 Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.

 

Liebe Gemeinde!

Brot des Lebens – für die vielen Zuhörer, die Jesus gefolgt waren, war das der Hauptgewinn. Da war jemand, der konnte quasi aus dem Nichts Brot herbeizaubern. Großartig. Den müsste man sich warm halten, dann wäre ihrer aller Hauptsorge erledigt, die Sorge um das tägliche Brot. Bis heute ist die Sorge um das tägliche Brot etwas, das einen großen Teil unseres Lebens einnimmt. Und die Idee, diese Sorge könnte ein für allemal gestillt werden, ohne unserer Hände Arbeit, ist ein ganz verbreitertes Motiv im Märchen, aber eben nur dort, - denken wir etwa an das „Tischlein-deck-dich“ oder an die fliegenden Brathähnchen bei Pinocchio.

Wir sprechen von Lebensmitteln, und diese Bezeichnung legt nahe, dass das Dinge sind, die Leben geben. Ganz so stimmt das allerdings nicht, und das wissen wir auch. Lebensmittel können das Leben eine Zeitlang erhalten, aber sie können es nicht dauerhaft geben. Wir brauchen immer wieder Nachschub, - sonst verhungern wir, - und Hunger ist eines der ganz großen Themen unserer Welt. Denn während wir in unserem Land Lebensmittel im Überfluss haben, und sie tonnenweise vernichten, gilt in großen Gebieten dieser Welt, was „Brot für die Welt“ einmal eindrücklich auf Plakaten in Szene gesetzt hat: „Weniger ist leer“. Und während wir – durchaus zu recht – über die Qualität unserer Lebensmittel und ihre Erzeugung diskutieren, wäre man anderswo froh, wenn überhaupt was auf dem Teller läge.

Brot des Lebens. Nachdenken kann man allerdings nicht nur über die Frage: Wie gesund oder wie wertvoll ist eigentlich unser tägliches Brot, - wie verantwortungsvoll produzieren wir es, wie sehr achten wir es und wie sorgsam gehen wir damit um, - sondern man könnte auch ganz grundsätzlich darüber diskutieren: Was ist eigentlich „Leben“.
Man mag das für eine typische Frage von verwöhnten Kindern einer Wohlstandsgesellschaft halten, - anderswo auf der Welt fragt man sich vielleicht eher: Wie überlebe ich diesen und wenn's geht auch noch den nächsten Tag?! Aber ganz so abwegig ist die Frage – glaube ich – doch nicht. Für mich klingt da jedenfalls an, was im Alten Testament manchmal über einen Menschen gesagt wird, - z.B. über Abraham, und Isaak, und David: Da heißt es immer wieder mal: Er starb alt und lebenssatt. Und das versteht sich als ein gutes, ein positives Urteil über das Leben. „Lebenssatt“ heißt ja nicht „lebensmüde“, oder „des Lebens überdrüssig“, - sondern es meint: Ein Mensch, der lebenssatt ist, der hat gelebt. Der hat das Leben ausgekostet. Der kann in Frieden gehen. In Frieden – und zufrieden.

Genau das ist im Kern doch die Frage: Was ist für mich „Leben“. Wann bin ich lebenssatt, wann bin ich zufrieden. Was ist es, was ich vom Leben erwarte, was ich erreichen will, was ist das, von dem ich meine, dass es mir zusteht? - Dass ich lange gesund bin? Dass ich in Frieden und Sicherheit leben kann? Dass ich gut verdiene oder gar reich werde? Dass ich in einer Beziehung lebe, die mich glücklich macht? Dass ich einen Job habe, der mich erfüllt? Oder Freunde, auf die ich mich verlassen kann?

Martin Luther stellt die Frage im Kleinen Katechismus: „Was heißt denn täglich Brot?“ - fragt er da, - und antwortet: „Alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus, Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre, gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.“ Manches in dieser Aufzählung ist natürlich seiner Zeit geschuldet, das würden wir heute anders füllen - nicht jeder wird sich nach Acker und Vieh sehnen, - aber alles in allem trifft er mit dieser Aufzählung – wohlgemerkt unter der Überschrift „täglich Brot“ ganz gut, was ein gutes Leben ausmacht, was es für ein gutes und glückliches Leben braucht, was einer braucht, um zufrieden zu sein. Und das hilft, damit die Bäume meiner Ansprüche nicht in den Himmel wachsen, - und ich am Ende zwangsläufig immer das Gefühl habe, zu kurz gekommen und vom Leben betrogen worden zu sein.
Mit all dem bewegen wir uns allerdings immer noch in dem Bereich, von dem Jesus sagt: „Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen und sind gestorben.“ Will sagen: Das alles beschreibt, was du in diesem Leben erreichen kannst und willst, - aber nichts von all dem kannst du mitnehmen, da das letzte Hemd bekanntlich keine Taschen hat. „Alles irdisch, alles vergänglich“ - könnte man also sagen, - im Buch des Predigers heißt es lapidar: „Das alles ist eitel und Haschen nach Wind.“ Darum nochmal: Was ist eigentlich „Leben“? Erschöpft es sich darin, dass ich arbeite, esse, schlafe, dass ich etwas erreiche, eine Beziehung habe, - und was eben noch alles zum „täglichen Brot“ zu zählen wäre?

Es ist derselbe Prediger, der auch schon – mitten im alten Testament – die Erkenntnis ausspricht: „Du, Gott, hast die Ewigkeit in des Menschen Herz gelegt.“ - Leben, das ohne diese Ewigkeitsdimension und ohne Gottesbezug auszukommen meint, wäre demnach gar kein Leben nach biblischem Verständnis. Wäre nur eine Sparversion, - eine Karikatur.
Wobei es dann wiederum erstaunlich ist, dass das den meisten Menschen scheinbar reicht. Aber so war es ja bei Jesus auch schon: „Ihr sucht mich nicht, weil ihr ein Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid“ - hält Jesus denen entgegen, die ihn am andern Ufer des Sees aufgespürt hatten, weil sie nicht wollten, dass ihnen die Felle ihres auf immer versorgten Lebens davonschwammen. Dorthin hatte er sich zurückgezogen, als er merkte, dass sie ihn zum König machen wollten, - dass das Ganze ein großes Missverständnis war.

Sie benutzten dieselben Worte, und sprachen doch von ganz verschiedenen Dingen. Und, ganz ehrlich: Jesus tut auch nicht viel, um die Missverständnisse aufzuklären, die im Laufe des Gesprächs immer größer werden, - am Ende werden die Menschen kopfschüttelnd davongehen und ihn allein lassen. Vermutlich haben sie nichts von alledem verstanden, was er ihnen sagen wollte, - aber das immerhin hatten sie verstanden: Dass er ihre Erwartungen – ihr Brotkönig zu sein – nicht erfüllen würde.

Was er ihnen zu bieten hatte, war ihnen zu wenig, und ist doch unendlich viel mehr: „Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.“

Es erinnert ein bisschen an „Blinde Kuh“. Man rennt mit verbundenen Augen durch die Gegend und sucht jemanden, - und wenn man ihn schließlich gefunden hat und die Augenbinde abnimmt, stellt man fest, dass es doch der Falsche ist. Jetzt geht es also scheinbar um ein Brot, das unsterblich macht. Auch so ein alter Menschheitstraum, - dem Tod entgehen zu können. Das Leben zu verlängern – womöglich gar bis ins Unendliche. Die Alterung mit all ihren unangenehmen Begleiterscheinungen aufzuhalten. Was gibt es da nicht alles für Rezepte, um jung zu bleiben immer und immer länger, alle Begrenzungen zu überwinden; - und nun – so einfach ist das: Brot, das unsterblich macht. Hurra! Her damit. - Oder doch nicht?

Dies ist das Brot, das vom Himmel kommt, damit, wer davon isst, nicht sterbe.“ Das Manna war ja quasi auch „Brot vom Himmel“ - das „dies“ muss dann doch noch ein ganz anderes Kaliber sein. Lebensbrot. Hier muss man schon genau hinhören, um wahrzunehmen, dass es jetzt wohl um ein ganz anderes Leben – und ein ganz anderes Sterben geht. Und alle Träume vom „Ausgesorgt-haben“ und vom Anti-Aging, von der ewigen Jugend am Eigentlichen vorbeilaufen: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist.“ Lebendiges Brot, nicht aus der Backstube, sondern direkt vom Himmel. Ein Weizenkorn, das nicht zu Brot-Teig wird, sondern in die Erde fällt und erstirbt, um gerade so viel Frucht zu bringen, Frucht der Ewigkeit. Und der, nur der hat Anteil an dieser Frucht, der von diesem Brot isst, wer an den glaubt, der den Weg des Weizenkorns, den Weg des Sterbens und Auferstehens geht. „Wer glaubt, der hat das ewige Leben. Denn ich bin das Brot des Lebens. Dieses Brot ist mein Fleisch, das ich geben werde für das Leben der Welt.“

Wir sind hier noch nicht unmittelbar beim Heiligen Abendmahl. Zu groß wäre dabei ein weiters Missverständnis, nämlich dies, dass eine Hostie und ein Schluck Wein auf geheimnisvolle und magische Weise unsterblich machten, - so eine Art Wunderpille, - ein magischer Zaubertrank. Wer glaubt, wer mit Jesus Christus verbunden ist und bleibt, der hat das ewige Leben, das ist die Hauptspur.

Dass das Abendmahl dabei in den Blick kommt, als Ausdruck und Stärkung des Glaubens, lässt sich ja gar nicht vermeiden, - aber hier geht es doch um viel mehr als ein gottesdienstliches Geschehen, - hier geht es um eine umfassende Gemeinschaft mit Jesus, die er mit dem Wort „Glauben“ beschreibt, und die am Ende dieser Begebenheit in die Frage an die Jünger müdet: Wollt ihr auch weggehen, und in ihre Antwort: Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens, und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Christus bist, der Heilige Gottes.“