18.2.2015 - Aschermittwoch - Joel 2, 12-19 PDF  | Drucken |  E-Mail

Predigttext Aschermittwoch, 18.2.2015 Gö: Joel 2, 12-19

12 Doch auch jetzt noch, spricht der HERR, bekehrt euch zu mir von ganzem Herzen mit Fasten, mit Weinen, mit Klagen!
13 Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und bekehrt euch zu dem HERRN, eurem Gott! Denn er ist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, und es gereut ihn bald die Strafe.
14 Wer weiß, ob es ihn nicht wieder gereut und er einen Segen zurücklässt, sodass ihr opfern könnt Speisopfer und Trankopfer dem HERRN, eurem Gott.
15 Blast die Posaune zu Zion, sagt ein heiliges Fasten an, ruft die Gemeinde zusammen!
16 Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde, sammelt die Ältesten, bringt zusammen die Kinder und die Säuglinge! Der Bräutigam gehe aus seiner Kammer und die Braut aus ihrem Gemach!
17 Lasst die Priester, des HERRN Diener, weinen zwischen Vorhalle und Altar und sagen: HERR, schone dein Volk und lass dein Erbteil nicht zuschanden werden, dass Heiden über sie spotten! Warum willst du unter den Völkern sagen lassen: Wo ist nun ihr Gott?
18 Dann wird der HERR um sein Land eifern und sein Volk verschonen.
19 Und der HERR wird antworten und zu seinem Volk sagen: Siehe, ich will euch Getreide, Wein und Öl die Fülle schicken, dass ihr genug daran haben sollt, und will euch nicht mehr unter den Heiden zuschanden werden lassen.

Liebe Gemeinde!

16 Aufforderungen – mindestens – enthält dieser Abschnitt, - 16 eindringliche Appelle, dies und das zu tun: Zerreißt eure Herzen, bekehrt euch, blast die Posaune, versammelt das Volk, ruft die Gemeinde zusammen, sagt ein heiliges Fasten an, - und so weiter, und so weiter! 16 Imperative, - allesamt unter der Einleitung: „Bekehrt euch, - jetzt!“

Das klingt nach einem Rettungsplan in höchster Not, in letzter Sekunde. Es ist – sozusagen – kurz vor 12, - aber noch ist nicht alles verloren, noch könnte das Volk das Ruder herumreißen, mit einem blauen Auge davonkommen. Wenn, ja wenn sie all das tun, was von Gott durch den Propheten da angeordnet wird. So ist es doch wohl gemeint?! Gemeint ist allerdings zunächst mal das Volk Israel, dem eine schwere Heuschreckenplage als Gericht Gottes droht.

Irgendwie passt das Wort aber auch ganz gut in die gefühlte Stimmungslage im Land. Denn die Stimmung, so höre ich es jetzt immer öfter, ist besorgt, angesichts der vielen Unruheherde auf der Welt, da ist dauernd von „der letzten Chance für eine friedliche Lösung“ die Rede, das klingt dramatisch und bedrohlich - von Eskalation und der Möglichkeit einer Ausweitung der gewaltsamen Auseinandersetzungen. Das ist der Blick nach außen, aber auch der Blick nach innen ist besorgniserregend.

Denn wir leben in einem der reichsten Länder der Erde, eigentlich geht es uns gut, - aber bei gar nicht wenigen Menschen – so scheint mir – gibt es das Gefühl, dass unser Wohlstand, unsere Gesellschaft wie ein Baum ist, der äußerlich gut dasteht, innerlich aber hohl und verfault ist, von einer Heuschreckenplage ganz anderer Art bedroht - da braucht's dann gar keinen ganz großen Sturm mehr, um diesen hohlen Baum zusammenbrechen zu lassen.

Fastenzeiten, Bußzeiten hatten immer auch den Sinn, zur Besinnung zu kommen, - zu sich selbst, zu Gott, - zu dem zurückzukommen, was trägt, zu den grundlegenden Werten, die eine Gemeinschaft zusammenhalten: „Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und bekehrt euch zu dem HERRN, eurem Gott!“, - aber wie groß mag die Bereitschaft dazu wirklich sein?

Nun ist aber dieses Wort heute nicht Israel gesagt, oder unserm Volk, - sondern uns, die wir hier sind. Aber gerade deshalb sträubt sich in mir so viel gegen einen Rettungsplan, bei dem alles an uns, an mir hängt, an dem, was wir zu tun haben. Denn so ist es ja auch gar nicht. Wir könnten ja sonst was auf die Beine stellen, Gott würden wir damit kaum beeindrucken oder gar umstimmen können. Was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse, - haben wir am Sonntag gehört.

So sehr hier also scheinbar die Imperative im Vordergrund stehen, die Anweisungen, die auf unser Tun zielen, - so wenig hätten wir das Prophetenwort damit wirklich verstanden. Das eigentlich Wichtige ist – denke ich – das, was es über Gott sagt. So ist Gott, - das ist der Hauptfokus, denn ohne das wäre der ganze Rest völlig sinnlos: So ist Gott! - Wie denn? „Bekehrt euch zu dem HERRN, eurem Gott! Denn er ist gnädig, barmherzig, geduldig und von großer Güte, und es gereut ihn bald die Strafe.“ Das ist der Punkt: Es gereut ihn bald der Strafe. Gott will ja gar nicht strafen, - eigentlich. Denn – eigentlich – ist er ein gnädiger, barmherziger Gott, geduldig und von großer Güte. Eigentlich ist er darauf aus, seine Menschen zu lieben und für sie zu sorgen. Und wieder geliebt zu werden. Eigentlich will er segnen und mehren, - „Wer weiß, ob es ihn nicht bald gereut und er einen Segen zurücklässt, sodass ihr opfern könnt Speisopfer und Trankopfer dem HERRN, eurem Gott.“ Da sind wir bei dem, was Gott eigentlich will: Segen zurücklassen. Darum:

Lasst die Priester, des HERRN Diener, weinen zwischen Vorhalle und Altar und sagen: HERR, schone dein Volk und lass dein Erbteil nicht zuschanden werden ...Dann wird der HERR um sein Land eifern und sein Volk verschonen. Und ER wird antworten und zu seinem Volk sagen: Siehe, ich will euch Getreide, Wein und Öl die Fülle schicken, dass ihr genug daran haben sollt, und will euch nicht mehr unter den Heiden zuschanden werden lassen.“ Buße zu tun, Sünden zu bekennen hat eine Verheißung. Nicht weil unsere Buße so beeindruckend wäre, - unser Fasten so verdienstvoll. Sondern weil wir Gott bei dem antreffen, was er eigentlich will: Für uns da sein, - für uns sorgen, segnen. ER selbst hat den Weg gebaut, auf dem wir zu ihm kommen können, - in Christus, im Kreuz von Golgatha. Amen.